Der bekannteste Literaturkritiker ist Marcel Reich-Ranicki.
Ich finde diesen Mann sehr beeindruckend und schaue mir gerne Interviews und Videos von ihm an. Er ist das Fallbeil in der deutschen Literaturszene und hat schon so manchen Autor in den Wahnsinn getrieben. Nun wurde Anfang März bekannt, dass er schwer an Prostata-Krebs erkrankt ist und das nehme ich hier als Anlass, diesen großartigen Mann zu würdigen.
Marcel Reich-Ranicki ist mittlerweile 92 Jahre alt, aber immer noch als Publizist und Literaturkritiker aktiv. Er war in den 60er und 70er Jahren Literaturkritiker bei der Wochenzeitung die ZEIT und übernahm 1973 schließlich die Leitung der Literaturredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch den anerkannten Ingeborg-Bachmann-Preis hat er mit ins Leben gerufen. Bis 2001 leitete er die wunderbare Literatursendung “Das literarische Quartett” im ZDF und brachte die oft als trockene verschriehene Literatur in die deutschen Wohnzimmer.
Seit seinem Auftritt bei dem deutschen Fernsehpreis, als er seinen Preis für das Literarische Quartett abgelehnt hat, mit der Begründung, dass er nicht “zu dem Blödsinn im deutschen Fernsehen” gezählt werden möchten, kennt ihn wahrscheinlich jeder.
Ich habe schon viele Bücher von ihr gelesen. Die junge Schriftstellerin hat mittlerweile 13 Romane in dem Verlag Schöffling & Co veröffentlicht, die allesamt sehr erfolgreich waren.
Ich habe nun ihren neuen Roman “Nullzeit” verschlungen. Ob Roman dabei die richtige Bezeichnung ist, weiß ich nicht, da die Geschichte von einem Ehepaar handelt, die sich immer wieder versuchen gegenseitig in den Tod zu stoßen. Thriller ist die passendere Bezeichnung meiner Meinung nach. Nun gut, jetzt noch mal von vorne.
“Nullzeit” handelt von Jola und Theo. Ein Ehepaar, was auf eine spanische Insel reist, damit sich Jola auf ihre erhoffte Schauspielrolle vorbereiten kann. Sie übernachten bei Sven und seiner Frau, die auf der Insel eine Tauchschule betreiben. Schnell wird deutlich: Dieser vermeintliche Urlaub wird zu einem Horror-Trip. Jola und Sven beginnen eine geheime Affäre und Jola und ihr Mann Theo treiben ein makaberes Spiel, den anderen immer wieder zu versuchen umzubringen. Sven hat Deutschland verlassen, um nach seinem Motto zu leben: Keine Einmischung in fremde Probleme. Nun sitzt er aber mit im Boot und ist immer wieder Zeuge von den Mordversuchen und muss sich einmischen. Dabei ist nicht mehr deutlich, was Wahrheit oder Lüge, was Täuschungsmanöver oder wirklich passiert ist und wer denn jetzt Opfer und wer Täter ist.
Auch der Leser verliert bei diesem Psychothriller jegliche Gewissheit. Wem soll ich jetzt glauben? Wer hat wen versucht umzubringen? Und stimmt die erzählte Geschichte von Jola? Fragen über Fragen, die sich zu einem komplexes Gebilde aufbäumen. Juli Zeh schafft es mit diesem Buch und ihrer fabelhaften Sprache, das Logische auszublenden. Besonders gefällt mir mal wieder die methapherreiche Sprache, die die Leser mit auf die Reise in die Romanwelt nimmt und die Alltagswelt verschwinden lässt.
Also: absolut lesenswert!
Hier ist übrigens noch ein sympathisches Video von Juli Zeh, in dem sie im Bayrischen Rundfunk über “Nullzeit” spricht:
Mein Literaturstudium fange ich in der gemütlichen Studentenstadt Tübingen an. Im Moment bereite ich mich darauf vor, indem ich besonders viel lese. Ich weiß noch nicht wirklich, was mich in meinem Studium erwartet, aber eine gewisse Grundlage sollte ich vielleicht doch besitzen. Ich erhoffe mir, während den drei Jahren meines Bachelors einen umfassenden Überblick über die deutsche Literatur zu bekommen. Goethe, Schiller, Thomas Mann und all die anderen Konsorten werden mir nicht mehr so fremd sein, wie zur Zeit und ich bekomme einen guten Vergleich über die verschiedenen Literaturen in Deutschland. Ob das wirklich so eintrifft – ich bin gespannt!